Notärztin mit Bundesverdienstkreuz: Lisa Federle über die guten Seiten der Angst
Shownotes
Vom Schulabbruch zum Medizinstudium – und heute Ärztin mit Bundesverdienstkreuz: Lisa Federle hat einen ungewöhnlichen Weg hinter sich. Als Teenager bekommt sie zwei Kinder und bricht die Schule ab – später holt sie ihr Abitur nach und studiert Medizin. Mit ihrer rollenden Arztpraxis versorgt sie Geflüchtete, Obdachlose und andere Menschen ohne ausreichende medizinische Versorgung. Während Corona wird daraus das Tübinger Modell für mobile Tests.
Wir sprechen mit Lisa aber vor allem über ein Thema, das uns alle betrifft: Angst. Wann hilft sie uns – und wann hindert sie uns?
Das aktuelle Buch von Lisa Federle „Gut gegen Angst"
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00:00:00: Ich durfte meine Haare nicht schneiden, ich durfte keine Jeans tragen wie andere Mädchen und stand dann tatsächlich Mutterseelen allein mit zwei Kindern da.
00:00:09: Ich habe mich durch eine Bücherwelt gerettet als
00:00:11: Kind.".
00:00:17: Sie ist die wohl bekannteste Notärztin Deutschlands Spiegel-Bestsellerautorin Trägerin des Bundesverdienstkreuzes.
00:00:24: Was nicht alle wissen, sie hat auch eine etwas wilde Lebensgeschichte unter anderem die Schule abgebrochen und sie weiß was Angst bedeutet.
00:00:32: dazu hat sich auch ein Buch geschrieben und darüber reden wir heute.
00:00:35: ich freue mich riesig dass ihr da ist.
00:00:36: Lisa Federle ist heute bei mir zu Gast und damit euch herzlich willkommen bei hoffnungsmensch dem podcast mit Menschen die mit dem Himmel im Herzen die Welt verändern.
00:00:46: Lisa schön dass du da bist.
00:00:47: Ja ich freu mich.
00:00:48: Danke.
00:00:49: Sag mal das mit den Bundesverdienstkreuz.
00:00:51: Hast du das irgendwo zu Hause in der Schublade liegen oder steckst du es ab und zu mal ans Schakett?
00:00:56: Und guckst dich im Spiegel an.
00:00:58: Also tatsächlich trage ich das eigentlich nie, ich vergesse es nämlich immer!
00:01:03: Ich war jetzt erst auf dem Sommerfest der CDU und da haben einige das getragen... Ach,
00:01:09: da kommen manche
00:01:10: mit den Orten und so.
00:01:12: Es ist ja nicht das Einzige was Du hast um ans Revert zu heften.
00:01:17: Stimmt, ich habe auch einen Partner.
00:01:18: Den Landesverdienstorten Baden-Württemberg bekommen.
00:01:21: Den habe ich auch bekommen.
00:01:22: Das war mir eine besondere Ehre, erstens weil Kretschmann mich damals gebeten hat oder das noch gar nicht so lange her die Dankesrede für alle zu halten und zweitens fand ich das interessant.
00:01:35: Das Bundesverdienstkreuz bekommt ja eigentlich verhältnismäßig viele den Landesverdienstorten bekommen.
00:01:41: anscheinend dürfen höchstens tausend lebende Personen haben Also ist ja doch deutlich begrenzter und ich fand es einfach schön, von dem Bundesland in dem ich lebe auch eine Anerkennung zu bekommen.
00:01:55: Ja das sagt schon ein bisschen was aus welcher Resonanz dein Leben und deinen Wirken so hat in der Gesellschaft?
00:02:01: Das hängt unter anderem bei weitem nicht nur aber unter einem anderen auch mit dem Tübinger Modell zusammen dass sich so in der Corona Zeit bekannt geworden Du bist Notärztin und das hat was mit einer rollenden Arztpraxis zu tun.
00:02:14: Sag noch mal kurz, was steckt dahinter?
00:02:15: Typingermodell!
00:02:16: Wir wissen es schon gar nicht mehr aber kurz in Erinnerung.
00:02:19: Also vielleicht fange ich mit der rollenden Artpraxis an weil die hatte ich schon vorher, das war im Jahr zwei Tausend Fünfzehn als die Flüchtlinge kamen und wir Land unter hatten und keine ärztliche Versorgung.
00:02:30: damals habe ich dann ein Wohnmobil als Arzt Praxis bestellt und umbauen lassen Und wir haben als das ganze Team, die haben übrigens super mitgeholfen.
00:02:42: Ohne die hätte ich es nie geschafft!
00:02:44: Wir haben die ganzen Flüchtlinge versorgt und die Unterkünfte abgefahren, haben die Medikamente ausgegeben und haben sie regelmäßig Sprechstunden abgehalten weil die hätten ja gar nichts zum Arzt können.
00:02:54: und so viele Möglichkeiten gab's damals nicht.
00:02:56: und die waren teilweise medizinisch wirklich behandlungsbedürftig als sie kamen von der Flucht.
00:03:04: Und dieses Auto haben wir dann für Obdachlose benutzt danach, nachdem die Flüchtlinge alle verteilt waren und versorgt waren.
00:03:13: Anschließend kam ja Corona.
00:03:17: Dann haben wir das Arztmobil für Tests eingesetzt aber auch vor den Tests um die ganzen Altersheime zu testen.
00:03:27: Da hab ich mich ganz schön ... in Risiko begeben.
00:03:31: Da hatte ich dann auch Angst im Anführungsstrichen, weil ... Ich hatte schon alle Altersheimien-Tübingen durchgetestet und wusste noch nicht, ob das finanziert wird oder nicht.
00:03:43: Du hast
00:03:43: es einfach mal auf eigene Rechnung gemacht?
00:03:45: Ja!
00:03:45: Weil es hieß damals, dass wird noch nicht finanzieren.
00:03:50: Und da hat jeder Test sechzig Euro gekostet.
00:03:53: Das waren noch die PCR-Tests und nicht die Schnelltests am Anfang.
00:03:57: Aber ich hab gesehen, wie die alten Menschen gestorben sind.
00:04:00: Und es hat mir so weh getan ... Weil darunter waren auch Menschen, die noch leben wollten und denen für die das wirklich schrecklich war.
00:04:10: Deshalb habe ich das damals gemacht.
00:04:12: Ich hatte dann aber das Glück, dass irgendwann der Gesundheitsminister Spahn entschieden hat, dass die Tests regelmäßig durchgeführt werden dürfen bei alten Menschen in Altersheim sowieso Und dann wurde das rückwirkend übernommen.
00:04:26: Aber sonst hätte ich ein paar hunderttausend Euro wahrscheinlich ...
00:04:30: Aber daran
00:04:31: sieht
00:04:31: man schon so einen Charakterzug von dir, dass du eine Situation siehst und wahrnehmst und dann analysierst was kann man tun?
00:04:39: Und auch was tust!
00:04:40: Ob es im Jahr zwei Tausend Fünfzehn bei Geflüchteten oder in der Pandemie.
00:04:46: In Tübingen gab's ein Vorreitermodell aber eben mit Risiko, dass Du mit verantwortet hast.
00:04:53: Du hast gerade schon gesagt, Corona ist auch so eine Zeit der Angst gewesen.
00:04:58: Und als Ärztin begleitest du Patientinnen und Patienten die oft auch mit Angstsituationen umgehen müssen manchmal auf Diagnosen hin, die du stellst wie gehst du damit um?
00:05:11: Das ist manchmal gar nicht so einfach weil gerade zum Beispiel wenn jemand eine Krebserkrankung hat und davon nichts weiß muss ich ja manchmal den Patienten dann auch diese schreckliche Wahrheit unterbreiten.
00:05:25: Und es ist ganz, ganz wichtig A, dass man Zeit dafür hat als Arzt um sich mit dem Patienten dann in Ruhe zu befassen andererseits aber auch das man sich auf den Menschen einstellt.
00:05:39: Menschen reagieren total unterschiedlich.
00:05:43: Der eine möchte das eigentlich gar nicht so genau wissen und der andere will unheimlich aufgeklärt sein, will alles wissen.
00:05:50: Der Dritte braucht einfach Zeit, um damit fertig zu werden.
00:05:54: D.h.,
00:05:55: dem kann man nicht gleich die ganze Wahrheit sofort sagen, sondern muss ihn langsam versuchen, schrittweise darauf hinzuführen und dazu muss ich
00:06:04: a.)
00:06:04: meine Patienten gut kennen und
00:06:05: b.)
00:06:06: Zeit haben und Einfüllungsvermögen.
00:06:08: Hast
00:06:08: du die Zeit noch rein?
00:06:10: Weißt du gesundheitskostenmäßig und so?
00:06:13: da gibt es eine strenge Limitierung.
00:06:15: Ich nehme sie mir Ich hab immer für mich gesagt, wenn ich das nicht mehr kann, dann würde ich mich total unwohl fühlen als Erdzin.
00:06:25: Es gab Zeiten wie Corona, da hatte ich gar keine Zeit mehr.
00:06:28: Da hatte ich kaum noch Zeit und es hat mir auch Leid getan, dass sich da einfach ... Dass es an meinen Patienten abging, dass ich wenig Zeit für die hatte.
00:06:36: Auf der anderen Seite hatte ich Angst, dass die anderen sterben.
00:06:39: Und ich bin da ja selber reingeraten in so ein Strudel.
00:06:43: Das war am Anfang auch mir nicht klar.
00:06:45: Mir war schon klar, was Schlimmes auf uns zukommt Aber wie lang das gehen würde, und wie schrecklich es werden würde.
00:06:52: Und wie aggressiv auch ein Teil reagiert... Also ich hatte ja zum Schluss eine erhöhte Polizeibeobachtung oder
00:07:00: Begleitung,
00:07:02: weil ich bedroht wurde.
00:07:04: Das hätte ich mir natürlich nie träumen
00:07:05: lassen.".
00:07:06: Ja, das war natürlich Eskalation!
00:07:07: Eine verrückte Situation.
00:07:08: im Grunde liegt schon lange zurück.
00:07:10: aber wir erinnern uns Angst ist auch ein ganz persönliches Thema.
00:07:14: Wir reden gleich noch über deine Geschichte, auch in der Kinder- und Jugendzeit aber eine Situation habe ich noch in Erinnerung.
00:07:21: die will ich vorher kurz ansprechen.
00:07:23: Lisa du hast mal geschrieben in einem Buch wie Du not gelandet bist.
00:07:28: mit einem Flieger zurück von Mallorca und dann in den Nähe von Marseille glaube ich oder in Marseilles direkt sagt der Pilot plötzlich wir müssen Not landen gibt ein Problem.
00:07:39: Wie war das?
00:07:40: Also, ich bin von Mallorca nach Stuttgart geflogen.
00:07:43: Das ist die Schrecke, kannte ich das.
00:07:44: Wir haben da ein kleines Häuschen und wir sind nach Stutgart ge flogen und plötzlich macht der Flieger so eine Kurve nach einer guten halben Stunde Und ich wusste, dass macht er ja normalerweise nicht.
00:07:56: Der macht dann nicht plötzlich ne Kurve und hab schon gedacht hey!
00:08:00: Das ist nicht so wie sonst.
00:08:02: Dann hat der Pilot gemeint dass er eine Sicherheitslandung durchführen müsste.
00:08:09: Sie hätten Probleme mit der Maschine und wir würden jetzt Marseille anfliegen, und es wird ungefähr noch zehn Minuten
00:08:16: gehen.".
00:08:18: Und dann kam die Stuardess und hat ... Das kennt ja jeder.
00:08:22: diese ...
00:08:23: Schwimmweste?
00:08:24: Ja, Schwimmwäste und das ganze Zeug.
00:08:26: Weil die Schwimmasse hat uns nicht mehr gezeigt.
00:08:28: Sie hat uns nochmal die Karte hochgehoben und gesagt, lesen sie sich das bitte noch mal durch ganz schnell.
00:08:34: Und sie ist dann jeder.
00:08:36: Dann ist sie hin an die Notausgänge und hat den Leuten noch mal gezeigt, kurz wie es geht, die Notausgänge zu öffnen falls ihr das nicht mehr hinkriegt.
00:08:46: Dann fing der ganze Flieger an zu blinken.
00:08:48: Das wusste ich gar nicht dass es sowas gibt.
00:08:50: unten am Boden gab so Weiße und oben
00:08:55: auch
00:08:55: alles und Exit, Exit und so hat alles geblinkt und der Fliege ging immer weiter runter.
00:09:00: wir sahen schon uns immer näher
00:09:03: dem Wasser
00:09:04: dem Meer nähern.
00:09:08: Und dann hat der Pilot noch mal gesagt, er wird jetzt in Marseille eine Sicherheitslandung durchführen.
00:09:16: und dann kam die Durchsage alle Passagiere sollen die Brillen runterziehen.
00:09:23: Dann sagte der Pilot, er hätte sich zu einer Notlandung entschieden.
00:09:28: Wir haben uns das Wasser gesehen.
00:09:31: In dem Moment habe ich mir überlegt was mache ich jetzt?
00:09:35: und hab gedacht, ich würd gern meinen Kindern sagen noch dass ich sie liebe.
00:09:40: Und wie wichtig sie mir in meinem Leben waren.
00:09:42: wir haben ja alle gedacht wir sterben jetzt.
00:09:46: und dann habe ich gedacht ne das kann auch nicht machen weil wenn wir jetzt doch nicht not landen uns irgendwie noch dahin schaffen und richtig landen können dann kriegt ihr den Mord schreckt wenn da die sms so ankommt.
00:10:00: Und dann haben wir es gerade noch ans Land geschafft.
00:10:02: Es war abends, ein zwanzig Uhr oder irgend sowas ... Wir sind da gelandet.
00:10:08: Die haben wegen uns den Flughafen aufgemacht.
00:10:10: Feuerwehr, Krankenwagen.
00:10:11: alles war da und wir haben's aber gut geschafft.
00:10:14: der Pilot stieg dann auch aus und sagt das hätte in seinen siebzehn Jahren nicht erlebt so eine Situation.
00:10:21: die Stuartessen auch.
00:10:22: Dann rief ich meinen jüngsten Sohn an und sagte du ich bin grad notgelandet.
00:10:26: Ich hab eher gelacht und habe gesagt aber ich habs überlebt.
00:10:30: Dann sagt er zu mir, Mama bist du betrunken?
00:10:35: Das war natürlich auch irgendwie absurd.
00:10:39: Ich bin dann aber ... Wir haben dort übernachtet am Flughafen und am nächsten Morgen.
00:10:47: Und das fand ich interessant.
00:10:48: Haben einige Passagiere gefehlt, weil?
00:10:50: die haben lieber einen Zug genommen.
00:10:52: Sie sind nicht mehr geflogen.
00:10:54: Das Flugzeug wurde ausgetauscht.
00:10:56: Du bist
00:10:57: weitergeflogen!
00:10:57: Ja, ich hab gedacht... Entweder ich steig jetzt nochmal in die Maschine oder machst nie wieder.
00:11:02: Ja, wir reden gleich noch mal darüber was Angst bedeuten kann auch jenseits von solchen Ausnahmesituationen auch lebensbegleitend sein können in gewisser Weise.
00:11:13: aber vorher machen wir die kleine entweder-oder Frage Runde die zu diesem Podcast gehört.
00:11:17: Lisa ich gebe dir zwei Alternativen.
00:11:19: du entscheidest dich für eine oder legst ne dritte dazu.
00:11:22: Es ist nicht immer ganz ernst gemeint und manchmal hat es aber ein bisschen Hintergrund.
00:11:26: Du wirst es merken, der Klassiker ist so... Der passt jetzt zu Mallorca.
00:11:30: eigentlich ist er beides dabei.
00:11:31: Berge oder Meer?
00:11:32: Mehr!
00:11:34: Eindeutig
00:11:35: Ja.
00:11:35: Buche
00:11:35: oder Netflix?
00:11:37: Buch.
00:11:37: Als Autorin kannst du ja nichts anderes sagen.
00:11:41: Nein ich bin in einer Bücherwelt groß geworden.
00:11:44: Ich habe mich durch eine Bücher Welt gerettet als Kind Und Bücher sind für mich was ganz Wichtiges, ganz Wertvolles.
00:11:51: Es gibt keinen Urlaub wo ich nicht ein Haufen Bücher mit im Koffer hab.
00:11:56: Kneipe oder Wohnzimmer?
00:11:58: Wohnzimer.
00:11:59: Papa oder
00:12:00: Mama?
00:12:01: Papa.
00:12:02: Tochter oder Mutter?
00:12:05: Du bist beides!
00:12:07: Tochter...
00:12:08: Brav oder provozieren?
00:12:09: Oder
00:12:10: was meinst du mit Tochter, ob ich meiner Tochter näherstehe.
00:12:13: Das ist eine völlig offene Frage!
00:12:16: Kannst
00:12:16: du so und so verstehen... Ich habe jetzt eher an dich gedacht, du bist ja beides.
00:12:19: Du bist Tochter und Mutter.
00:12:21: Und Oma.
00:12:22: Und das auch.
00:12:23: Ja.
00:12:24: Brav or provozierend?
00:12:28: Er provoziert manchmal aber nicht grundsätzlich.
00:12:30: also da kann ich nicht sagen eins klar.. Nicht
00:12:34: um der Provokation Willen.
00:12:37: Familie oder Freunde
00:12:40: Familie.
00:12:41: Bleiben oder aufbrechen?
00:12:43: Das kommt oft auf die Situation an, oft aufbrechend.
00:12:47: Schwarz- oder grün?
00:12:51: Wenn man das jetzt auf die Partei bezieht dann eher schwarz aber auch manchmal grün...
00:12:55: Ist schon irgendwie neilig!
00:12:56: Das ist auch was mit parteipolitischen Fahrten zu tun hat.
00:12:59: bei dir.
00:12:59: da kommen vielleicht noch drauf.
00:13:01: Typingen oder Tournee?
00:13:02: Typing.
00:13:04: Festerstandarder bist du Zuhause und da kommst Du her und da lebst Du.
00:13:07: Aber Du bist auch unterwegs mit
00:13:10: Krach Mit Lesungen, Auftritten.
00:13:15: Natürlich bin ich lieber gesund aber in unserem Alter hat jeder irgendwelche Krankheiten.
00:13:20: Wo
00:13:20: läuft eigentlich die Grenze?
00:13:21: Ich glaube das hat was damit zu tun wie man damit umgeht.
00:13:27: Ich kann eine bestimmte Krankheit haben und trotzdem ganz gut damit leben oder mich damit arrangiert haben.
00:13:33: Oder ich kann auch krank werden und diese Krankheit als Chance sehen.
00:13:37: Das klingt zwar jetzt irgendwie abstrus Aber ich hatte ja selber auch eine Krebserkrankung.
00:13:45: Ich habe einige Krebskranke erlebt, die gesagt haben, seitdem haben sie ein anderes Lebensgefühl weil sie den Tag jeden Tag schätzen und alles was Sie haben auch ganz anders erleben.
00:14:00: Weil oft leben wir Menschen einfach in den Tag rein und sagen hoffentlich und irgendwann bin ich dann in Rente und irgendwann ist das und das und es mache ich dann und dann alles.
00:14:08: Und ich glaube, wenn du mal eine Krankheit hattest, die schwer ist oder hast ... dann bist du in einer Situation wo du sagst, nee.
00:14:14: Ich lebe jetzt und das was ich jetzt gerade tue, das genieße ich auch oder das weiß ich zu schätzen.
00:14:23: Mir geht so!
00:14:24: Ich habe es gelernt durch meinen Beruf als Notärztin die auch Kleinigkeiten im Leben zu schätzen.
00:14:31: Das heißt, ich freue mich über Kleinigkeiten und genieße es wenn ich meine Kinder sehe.
00:14:36: Ich freue mich wenn ich mit Freunden was machen kann oder aber ich freu mich einfach auch mal irgendwo in Kaffee zu sitzen um die Menschen zu beobachten.
00:14:45: Ich glaube das ist so eine Lebenshaltung die sich da verändert.
00:14:47: So Wertschätzung Dankbarkeit Und es ist also wenn du als Ärztin selber krank wirst ist irgendwie auch noch mal besonders.
00:14:55: Also du bist natürlich genauso Mensch und Patientin wie jede andere auch, und trotzdem weißt Du immer ein bisschen mehr?
00:15:01: Und gehst vielleicht nochmal ein bisschen ... Weiß nicht... Ist die Angst ein bisschen näher
00:15:08: bei Dir?
00:15:09: Ja also das gibt zwei Arten glaub ich von Ärzten.
00:15:13: Es gibt Ärzte, die von Leugnen dann alles und ich hab jetzt gerade einen Kollegen der gestorben ist oder ich habe auch eine Kollegin, die gestorban ist Die hatte Pusskrebs und die wusste genau, was sie hat.
00:15:24: Aber die ist nicht zum Arzt gegangen.
00:15:26: Die hat nichts getan dagegen, obwohl Puss Krebs ja heutzutage eigentlich ... Einfach ignoriert!
00:15:31: Ja?
00:15:31: Das ist die eine Seite.
00:15:33: und die andere Seite ist natürlich... das habe ich auch gerade mit einem Kollegen besprochen der Verdacht auf oder der Hattenbrustata-CA, das hat sich jetzt grad bestätigt, der gesagt hat er hat panische Angst, weil er genau weiß was da alles passieren kann.
00:15:52: und das ist natürlich der Nachteil als Arzt.
00:15:54: Du weißt ganz genau was auf dich zuformen kann.
00:15:57: Das ist die Szenarien vor Augen.
00:15:59: Angst hat immer aber auch Lisa mit der Lebensgeschichte zu tun.
00:16:03: ich habe vorher schon nach Mama und Papa gefragt du warst so ein Papakind richtig?
00:16:08: Absolut!
00:16:09: Schreibt mal deinen Papa ein bisschen.
00:16:11: Mein Vater war ein großer starker Mann dunkle Augen, sehr ... Riesenhände.
00:16:20: Und hat mir so das Gefühl von Beschützsein vermittelt.
00:16:26: Ich wusste, mein Vater kann alles!
00:16:28: Mein Vater ist für mich da.
00:16:31: Mein Vater war sehr beschäftigt, der war ... Englisch
00:16:34: Professor?
00:16:34: Ja genau.
00:16:35: Der war sehr beschäftigt und hat auch viele Reisen gemacht.
00:16:38: Hat abends immer bis zwölf Uhr gearbeitet, bis nachts.
00:16:42: Aber ich hab ... viele wunderschöne Erinnerungen an ihn.
00:16:47: Und ich war stolz auf meinen Vater.
00:16:50: und als ich elf war, werde ich auch nie vergessen habe ich ja auch in meiner Biografie in meinem ersten Buch beschrieben hat er mir gesagt der musste Vorsorge-Untersuchung gehen und er kam nie wieder weil die haben den Darm perforiert.
00:17:07: dann kam er ins Krankenhaus.
00:17:14: Also eine Darmentzündung, Peritonitisverstorben-Baufellenzündungen.
00:17:18: Und das Problem war ... Oder das Schlimme für mich war, dass ich halt sehr jung war.
00:17:23: Ich war elf Jahre alt.
00:17:25: Zu meiner Mutter hatte ich nicht das innige Verhältnis.
00:17:27: Die war auch sehr christlich.
00:17:30: Also pietistisch christlich für mich viel zu strengen.
00:17:34: Ich durfte meine Haare nicht schneiden und keine Jeans tragen wie andere Mädchen.
00:17:39: Ich dachte eigentlich nix.
00:17:40: Ich durfte keinen Tanzkurs machen, ich durfte auf keine Party später.
00:17:45: Und da habe ich – wie ich vorhin schon gesagt hab – mich in eine Bücherwelt gerettet und habe in den Büchern gelebt und die Bücher geliebt.
00:17:53: Das war für mich auch ein ganz wichtiger Grund, warum ich angefangen habe jetzt irgendwann mal vor vier Jahren Bücher zu schreiben.
00:18:01: Zwischen ist es ja ein viertes Buch!
00:18:03: Und meine Absicht war immer den Menschen Mut zu machen, Geschichten zu erzählen die passiert sind Schicksale oder auch Gedanken Aber auch gleichzeitig zu vermitteln das Leben geht weiter.
00:18:19: Es gibt viele denen sowas passiert ist aber es gibt auch Möglichkeiten damit umzugehen.
00:18:25: Du hast es schon angedeutet dein Elternhaus sehr christlich gläubiges Elternhaus evangelisch Württemberg, Pietistisch muss man sagen.
00:18:35: Pietismus ist eine Erneuerungsbewegung.
00:18:38: in der Kirche eigentlich so etwas voranbringen Menschen bewegen Aber
00:18:41: mit Neujahr hat das für mich nicht ganz viel zu tun.
00:18:44: War
00:18:44: sehr eng, sehr rückwärtsgewandt.
00:18:46: Wie ist es das Begegnet in der Familie?
00:18:49: Also zum Beispiel in dem Jahr als mein Vater gestorben ist Wir haben immer über ans Silvester so jahrelose gezogen biblische Ferse die in so einer Glasbox waren.
00:19:04: Und mein Bruder zog das los, dein Vater und deine Mutter werden dich verlassen aber der Herr bleibt bei dir oder irgendwas in dem
00:19:11: Stil.
00:19:12: Also als Leitspruch für das nächste Jahr?
00:19:14: Als Leitspruch fürs nächste
00:19:15: Jahr!
00:19:15: Und mich hat es vollkommen geschockt und ich hatte jedes Jahr danach Angst dass ich so ein Los ziehe und dass ich dann schuld bin wenn er stirbt weil... Dass das eine Vorhersage ist.
00:19:29: oder beispielsweise hatte ich furchtbar Angst.
00:19:34: wenn mein Vater nicht da war und ich den gerufen hab oder meine Mutter, weil wir immer wieder zu hören bekommen haben als Kinder, dass der Herr die Guten sich hoch in Himmel holt.
00:19:46: Und die Schlechten auf der Erde zurückbleiben.
00:19:49: Dann dachte ich immer, der hat jetzt meinen Vater oder meine Mother geholt ... Weil sie gut
00:19:54: sind?
00:19:54: Ich bin die schlechte.
00:19:57: Auch als Kind wusste ich ja, ich habe mal gelogen oder meine Hausaufgaben nicht gemacht oder sonst irgendwas.
00:20:03: Und das hat mich extrem begleitet als Kind.
00:20:07: Ich hab, muss ich ganz klar sagen, den Pietismus immer als einengend und beängstigend empfunden und auch als Mittelkinder zu erziehen und zu züchtigen und auch ja den Angst zu machen und durch die Angst sie gefügig und gohersam zu machen.
00:20:31: Ich kann mich, also wir haben ganz unterschiedliche Elternhäuser oder so.
00:20:35: Aber die Erfahrung kenne ich auch, die Angst dass das so sein könnte.
00:20:41: Die anderen sind im Himmel und ich nicht.
00:20:45: Das ist etwas was glaube ich nur Menschen nachvollziehen können, die in religiösen Kontexten irgendwie aufwachsen.
00:20:51: Zugleich muss ich sagen der Glaube habe ich dann wiederum als befreiend erlebt und auch was Positives.
00:20:57: da liegt Beides ineinander.
00:20:59: Du blickst, wenn du so jetzt erzählst von deinen Eltern, deinem Papa oder deiner Mutter ja auch versöhnt zurück.
00:21:06: Zumindest schreibst du auch ... Du bist dankbar für deine Mutter und hast keine Abrechnung geschrieben in deinen Büchern.
00:21:12: Sondern im Rückblick kannst du auch wertschätzen was du erlebt hast.
00:21:17: aber es gibt auch Kehrseiten die bleiben
00:21:19: natürlich.
00:21:20: also sagen wir mal so hätte ich meinen Vater nicht gehabt.
00:21:23: meine mutter hat leider Nachdem mein Vater gestorben ist, ich glaube mir ihren Sohn zugewendet als mir.
00:21:29: Sie konnte mit denen einfach mehr anfangen und dadurch kam ich mir verlassen und alleine vor.
00:21:35: aber es hat mich der Glaube oder so wie ich erzogen wurde ja hat sicher auch mich ein Stück weit geprägt.
00:21:44: Ich glaub dieses Anparken und anderen Menschen helfen zu wollen.
00:21:50: Da ist der Grundstück dort irgendwo gelegt worden, um auf das letzte Thema noch mal zurückzukommen.
00:21:55: Ich hab vor kurzem mit einer Freundin, mit der ich seit fünfzig Jahren befreundet bin im Gespräch geführt, die war schwer krank und fast gestorben.
00:22:04: Dann haben wir uns über den Tod unterhalten.
00:22:06: Da habe ich zu ihr gesagt, irgendwie habe ich ein Stück Angst vorm Tod durch den Glauben, weil ich ja gar nicht weiß was mich danach erwartet.
00:22:15: Und dann sagte sie zu mir ... Sie ist nicht gläubig, aber sie hätte ja auch oft Menschen geholfen.
00:22:21: Aber ich bräuchte mir überhaupt keine Sorgen machen was mich danach erwartet weil ich so vielen Menschen gehilfen hätte und sie glaubt einfach dass wir Menschen sind die sich da wirklich keine Angst haben müssen oder Sorgen machten weil wir so viel für andere getan haben.
00:22:37: das fand ich eigentlich schon wieder nett und beruhigend aber klar es ist schon so dass des Haften bleibt Und da ein negatives Erlebnis ist und für mich dadurch auch sicherlich eine gewisse Angst bei mir verursacht.
00:22:55: Auf der anderen Seite hat es mich zu den Menschen gemacht, ja ich bin und deswegen bin ich dankbar.
00:23:02: Ich würde immer sagen wenn es um Fragen des Himmels geht die kein Mensch beantworten kann weil niemand dort war dass dass das letztlich nicht die Bilanz meines Lebens ist, ob die positiven oder die schlechten Taten überwiegen.
00:23:14: Sondern dass da eine Güte Gottes ist, der ich mich anvertraue und dich mich verlasse.
00:23:20: Darauf zähle ich sozusagen.
00:23:23: Aber die Frage ist immer, wie sich das dann auch im Leben auswirkt?
00:23:27: Du bist ja von zu Hause weggegangen... Bist hast du die Schule abgebrochen?
00:23:33: Warst auch im Internat.
00:23:35: Nee, ich sollte ins Internat kommen und das war so geführt von Diakonissen und da wäre ich vom Regen in die Traufe gekommen.
00:23:42: deswegen wollte ich das nicht.
00:23:44: Ich bin dann mit siebzehn also ich bin dann zweimal sitzen geblieben weil ich gelesen habe anstatt zu lernen.
00:23:49: ich hab immer unter der Bank ein Buch gehabt.
00:23:53: ich war der beste Kunde der Stadt Bücherei.
00:23:56: Also es kann man sich wirklich nicht vorstellen.
00:23:57: ich habe auch keine Hausaufgaben gemacht sondern lieber gelesen.
00:24:02: Und ich bin dann zweimal sitzen geblieben und bin dann mit siebzehn nach der Hälfte der neunten Klasse abgegangen und schwanger geworden.
00:24:11: Also schwanger worden, das muss man sich vorstellen.
00:24:15: Meine Freundin hatte einen Freund und hat ein halbes Jahr auch ... Ich sag's jetzt mal salopp geschlafen und ist nicht schwanger gewesen!
00:24:23: Ich hatte dann Angst damals zu meiner Mutter abgesagt, ich hätte gern die Pille.
00:24:28: Oder besser gesagt, ich hätt gerne zum Arzt gehen.
00:24:31: Dann hat sie mir das verboten und gesagt, da müsste ich warten bis ich verheiratet wäre.
00:24:37: Und dann hab ich mir in meiner Naivität damals ... Ich bin ja auch völlig naiv gewesen, weil ich nichts durfte und sehr bütig aufgewachsen bin.
00:24:46: Habe ich gedacht gut, ich habe jetzt ein halbes Jahr Zeit so wie meine Freundin, bevor ich schwanger werde.
00:24:51: also kann ich das schon mal ausprobieren.
00:24:53: Nur mein Problem war, dass ich beim Ausprobieren sofort schwanger geworden bin und dann mit siebzehn eben mit dem ersten Kind schwanger war.
00:25:01: Mit neunzehn mit dem zweiten und das habe ich auch in meiner Biografie beschrieben.
00:25:07: Dann habe ich eines Tages als ich nach Hause kam, Lage aufm Sofa War irgendwie schwer erweckbar Und dann wollte ich ihm die Schuhe ausziehen weil ich gedacht hab der liegt ja mit Schuhen auf dem Sofa ziehe die Schuhe aus und finde in seinem Strumpf, also seinem Socken eine Spritze.
00:25:30: Und dann wusste ich mit neunzehn warum der oft so aggressiv, so komisch war, er hatte mich auch geschlagen immer wieder und hat mich dann mit den beiden Kindern das kleinste war kein halbes Jahr alt habe ich mich getrennt von ihm und stand dann tatsächlich Mutterseelen allein mit zwei Kindern da nicht mal ein Volksschulabschluss, hatte kein Geld und hatte null Unterstützung.
00:25:58: Und wahnsinnig Angst!
00:26:00: Also insofern kenne ich das sehr gut und musste mir dann auch mal Lebensmittel stehlen weil ich nichts zu essen hatte für die Kinder an mich.
00:26:09: Das waren nicht so Zeiten wie heute ja wo du schon immer irgendwo auch noch großartige Hilfe bekommst.
00:26:16: Und damit hast Du Angst in einer tiefen Dimension?
00:26:20: kennengelernt in dieser Zeit, die ... ja, die dich auch geprägt hat.
00:26:25: Wir können jetzt gar nicht über alles reden.
00:26:27: aber to make a long story short du hast das Abitur irgendwann nachgeholt?
00:26:31: Du hast Medizin studiert, dass Mädchen das zweimal sitzen geblieben ist bis promoviert worden, und eben jetzt Notärztin, Politikerin oder auf Kreisebene und viel engagierte Frau.
00:26:48: Aber Angst War immer auch eine Begleiterin deines Lebens, kann man das so sagen?
00:26:57: Zumindest in Situationen.
00:26:59: Ich bin jetzt auch nicht jemand der grundsätzlich vor allem Angst hat also das bestimmt nicht.
00:27:03: ich habe ja als Notärztin mich öfters in Situation befunden wo ich keine Angst verspürt hab, die aber ziemlich gefährlich waren.
00:27:12: Beispielsweise, dass man mir nicht rechtzeitig gesagt hat, dass da noch jemand mit einer Waffe steht und solche Dinge ja?
00:27:19: Und ich dahin gefahren bin!
00:27:21: Da habe ich gar keine Angst.
00:27:22: Überhaupt gar keine.
00:27:24: Also ... da bin ich gar nicht ängstlich.
00:27:26: Aber natürlich bin ich zum Beispiel wenn ich eine Krankheit hab oder wenn ich ... Ich war mal schwer krank Ich sah mich dem Tote nah, es war auch nicht ganz ungefährlich.
00:27:41: Da hatte ich Angst und das werde ich natürlich nie vergessen weil sich ja auch was man fühlt und was man spürt und deswegen war mir das auch so wichtig da eine Möglichkeit zu finden.
00:27:50: wie kommt man aus so einer Not?
00:27:52: Wie geht man damit um?
00:27:54: Lise
00:27:54: sag nochmal Grünme, was ist eigentlich Angst?
00:27:56: Angst ist ein Schutzinstinkt Das kann bewahren vor, also ein Signal das vor Gefahren warnt, Lebenshilfe.
00:28:03: Auf der anderen Seite kann sie lähmen, kann einen fesseln, kann hindern dass man aktiv vorangeht.
00:28:12: Was ist eine gute Angst und was ist eine schlechte?
00:28:14: Ich glaube, ohne Angst würden wir alle ... Oder ich bin mir sicher.
00:28:17: Ohne Angst wurden wir nicht überleben.
00:28:19: Früher war das so dass die, die am ängstlichsten waren in der Evolution eigentlich am längsten gelebt haben weil sie nämlich sich den Gefahren gar nicht so ausgesetzt haben.
00:28:28: deswegen ist ja auch nachgewiesen wenn Sie jetzt gar keine Angst hätten und es fängt schon beim Kind an dann läuft's halt in ein Auto rein oder langt an Ofen oder was auch immer.
00:28:39: Und deswegen ist Angst etwas ganz Normales und auch Natürliches.
00:28:43: Wir können gut mit Angst auch umgehen und leben, solang sie uns nicht lämt und unser Leben völlig beeinträchtigt.
00:28:51: Solang sie ein gewisses Maß hat und ich überhandnimmt und unser Leben bestimmt, dann ist Angst eigentlich was ganz Normales?
00:29:00: Ich glaube das Angst immer etwas damit zu tun hat, etwas zu verlieren.
00:29:03: Ist halt immer der Verlust von Sicherheit, von einem Frieden, vom etwas Wertvollem... Und je mehr ich habe, desto mehr kann ich eben auch verlieren!
00:29:14: Deswegen ist es irgendwie schon nachvollziehbar.
00:29:16: Lisa, du schreibst auch und das oder beschäftigst dich auch mit einem Stichwort Das heißt Generationenschmerz Also die Elterngeneration.
00:29:25: Du hast von deinen Eltern erzählt Die Elterngeneration hat Dinge erlebt Erfahrungen gemacht Manche noch oder Großeltern generation in der Kriegszeit Die nicht verarbeitet sind wie Generationen typische Erfahrungen machen.
00:29:39: Das wird übertragen, das spielt eine Rolle in der Art, wie wir leben und Kinder erziehen oder begleiten.
00:29:46: Und das prägt uns dann auch.
00:29:48: Wir prägen unsere Kinder wiederum!
00:29:49: Ganz
00:29:50: genau.
00:29:52: Was meinst du damit mit dem Generationsschmerz, den wir weitergeben?
00:29:57: Ich nenne jetzt ein einfaches Beispiel, was ich beobachtet habe bei meiner Großmutter aber auch meiner Mutter, dass sie furchtbar Angst vorm Tod haben Und das, nachdem ich mich jetzt damit mehr beschäftigt habe ist mir irgendwie aufgefallen.
00:30:12: Das hat sich auf mich übertragen und Ich kann aber jetzt etwas besser mit dem thema umgehen Nachdem ich weiß woher es kommt.
00:30:21: würdest du sagen man kann dann angst sowas wie erben?
00:30:24: Es gibt so eine erbangst
00:30:25: ja und das schlimme ist wenn wir uns nicht mal erkennen kann und deswegen ist glaube ich für jede angst Ganz ganz wichtig.
00:30:35: der erste schritt mit der Angst besser umgehen zu können ist, sie zu erkennen und dem nachzugehen.
00:30:42: Und auch reinzuspüren.
00:30:44: was passiert jetzt da mit mir?
00:30:45: Warum habe ich Angst?
00:30:47: Ist es begründet oder ist das vielleicht gar nicht begründete?
00:30:52: Dann stellt sich ja schon die Frage also die Angst besser zu verstehen?
00:30:55: Das ist glaube ich ein guter Hinweis und da mag's mehrere Dinge geben.
00:31:00: paar sind jetzt genannt.
00:31:02: könnten wir vertiefen?
00:31:03: Also diese Generationengeschichte eigene traumatische Erfahrungen gehören ja auch dazu.
00:31:09: Aber dann ist immer die Frage, wie geht man damit um?
00:31:12: Jetzt wenn ich sie verstehe, ist mir noch nicht vielleicht schon ein bisschen geholfen.
00:31:16: erster Schritt aber wie finde ich einen Halt?
00:31:20: Wie hast du wieder Halt gefunden, wenn du an deine Geschichte denkst?
00:31:23: was hat dir einen inneren Kraft gegeben um den nächsten Schritt zumindest den nächsten schritt zu gehen?
00:31:29: Also manchmal hat mir Kraft gegeben, mich der Angst zu stellen und einfach zu sagen ich beschäftige mich jetzt mit dem Thema.
00:31:38: Und ich überlege mir beispielsweise saß meine Oma oft im Wohnzimmer, das ist ein gutes Beispiel.
00:31:45: Sobald ein Gewitter kam, hat sie quasi schon die Handtasche gepackt ja?
00:31:51: Ja weil sie irgendwie mal ...
00:31:52: Falls der Blitz alles
00:31:53: weg oder wie?
00:31:53: Ja sehr einmal ein Erlebnis mehr.
00:31:56: Und ich hatte dann furchtbare Angst vorm Gewitter am Anfang.
00:32:00: Irgendwann hab ich gedacht, okay, ich spaziere jetzt im Gewitter umher und das interessiert mich gar nicht.
00:32:06: Ich find es eigentlich toll ... So
00:32:08: eine Art Verhaltenstherapie?
00:32:09: Konfrontation mit ... Ja ganz
00:32:10: genau!
00:32:10: Ich habe mir einfach knallhart damit konfrontiert und das hat das natürlich verschoben.
00:32:15: diese Angst also die ist dadurch anders geworden.
00:32:18: Ich hab jetzt gar keine Angst aber ich kann anders damit umgehen.
00:32:23: Das andere Rezept ist aber auch, das klingt jetzt auch blöd.
00:32:28: Je mehr wir beispielsweise uns mit Risiken beschäftigen und wenn wir da ins ganze Detail reingehen umso mehr merken wir auch dass wir sie gar nicht alle ausschalten können.
00:32:42: Wir können uns nicht zu hundert Prozent absichern Und manchmal ist es vielleicht deswegen auch besser zu sagen Ich gehe nicht immer in jedes Detail und überlege mir, was passiert wenn.
00:32:54: Was ist dann, wenn das eintrifft?
00:32:56: Und natürlich ist es gut vorbereitet zu sein aber es ist eine natürliche Abgrenzung.
00:33:02: die Politik arbeitet auch viel mit Angst sehr viel Die verschiedenen Parteien.
00:33:07: Das ist eigentlich oft Menschen Angst zu machen.
00:33:11: Ja die Rente wird gekürzt also vor allen Oppositionen die arbeitet immer Mit angst und dass is Das ist wahnsinnig gefährlich, weil wir dadurch auch unsere Gesellschaften ein Stück weit zerstören.
00:33:26: Ja und wer aus Angst heraus dann handelt – also unser jetzt wählt aber auch insgesamt agiert nie frei würde ich sagen?
00:33:35: Weil das ja immer besetzt
00:33:38: ist.
00:33:40: mit einem Sicherheitsbedürfnis?
00:33:43: Mit Angst kann man manipulieren.
00:33:45: Ich habe von Herbert Krönemeyer noch im Ohr, keine Ahnung das ist zu vierundzwanzig Jahre alt oder so oder dreißig Jahre alte hat mal ein Lied geschrieben das heißt Angst.
00:33:53: und da gibt es eine Passage die heißt Angst stellt ruhig, Angst kriegt klein.
00:33:59: Du kannst mit Angst Menschen gefügig machen ob
00:34:04: das jetzt
00:34:04: religiöse Angst ist oder politisch oder wirtschaftlich oder pädagogisch Und das muss nicht immer böse gemeint sein.
00:34:12: Es kann auch mit gutem Willen sein, aber Angst ist ein Mittel um Menschen zu steuern.
00:34:17: Das ist gefährlich
00:34:19: natürlich absolut.
00:34:20: ich meine auch als Ärztin es gibt schon Kollegen die auch Mit angst versuchen den Patienten soweit zu bringen dass er das macht und das finde ich ist.
00:34:32: Natürlich muss ich dem seinen risiko aufmalen aber wenn ich Wenn ich das übertreibe, so wie's vorhin gesagt hab und bis ins kleinste Detail geh, dann hat er nur noch Panik.
00:34:41: Und die ist eigentlich so in dem Maß gar nicht berechtigt.
00:34:45: Also wenn ich als Anästhesistin beispielsweise hingehe ... Klar!
00:34:48: ..und den Patienten bei einer Blutransfusion auf das Risiko von HIV hinweiss, ja?
00:34:54: Dann ist das, ich sag jetzt mal eine fiktive Zahl da, es ist vielleicht eins zu einer Million oder noch weniger.
00:35:00: Eine Wahrscheinlichkeit minimal.
00:35:01: Ja, aber
00:35:02: für den... Weil ich das genannt habe, ist es plötzlich ein Problem womöglich und verursacht eine Angst die absolut nicht gerechtfertigt ist.
00:35:11: Und wir Deutschen neigen immer mehr dazu – das merken wir durch die Gesetze, die Einschränkungen, die wir alle bekommen – alles wird geregelt!
00:35:19: Das ist alles angstbehaftet.
00:35:21: Warum entscheiden viele nicht mehr?
00:35:23: Warum geben sie alle die Verantwortung ab?
00:35:26: Corona gab's ja auch viele solche Punkte.
00:35:29: aber Oft in der Politik wird ja eine Entscheidung gar nicht durchgezogen, sondern man überlegt sich vorher ganz schnell was passiert da.
00:35:38: Was kann das mit mir machen?
00:35:40: Wie schädigt mich das?
00:35:42: Und jeder sichert sich ab und dadurch lähmen wir unsere Gesellschaft.
00:35:47: Wenn wir es so weitermachen, ist schon ziemlich ungesund weil uns die Angst ein Stück weiter regiert.
00:35:56: So lassen
00:35:56: wir das mal stehen, Lisa.
00:35:57: Und kommen zu einer Rubrik in diesem Podcast die heißt Hoffnungslose.
00:36:02: Neben dir steht ein Glas und ich bitte dich das mal ein bisschen herzuziehen.
00:36:06: Das erinnert mich an Silvester!
00:36:08: Ah ja, damit hat es nichts zu tun.
00:36:10: Aber so ein bisschen ähnlich ist es, ja?
00:36:11: Es sind Lose drin!
00:36:13: Aber es sind keine christlichen Sprüche drinnen aus der Bibel.
00:36:17: Auch möglicherweise.
00:36:18: Zieh einfach mal einen Los raus.
00:36:20: ich bitte dich da eins zu ziehen aufzumachen vorzulesen und du findest darauf irgendeinen Satz.
00:36:26: Und dann... Der kann aus die Bibel sein, kann ein Philosophen-Zital sein, ein Glückskekswort oder irgendetwas was mit dem Thema Hoffnung zu tun
00:36:37: hat.
00:36:38: Jede Hoffnung ist eigentlich eine gute Tat, stammt von Johann Wolfgang von Goethe.
00:36:46: Ach guck!
00:36:47: Der alte Goet he.
00:36:48: Jede Hoffnung isst eigentlich eine Gute Tat?
00:36:53: Wie findest du's?
00:36:55: Ich finde es sehr schön weil hoffnung ist was ganz positiv besetztes und was ganz wichtig ist.
00:37:02: und wenn ich Menschenhoffnung... Wenn ich selber Hoffnung hab kann ich anderen Menschen auch Hoffnung geben und Hoffnung machen.
00:37:09: Und ich glaube, das ist eines der wichtigsten Grundlagen unserer Gesellschaft, nämlich Hoffnung zu haben.
00:37:17: Wenn wir die Hoffnung aufgegeben haben – egal ob ich als Ärztin kann es sagen beim Patienten wenn er krank ist oder wenn er die Hoffnungen aufgibt – gibt er sich auch und damit auch sein Leben.
00:37:27: Und wenn er Hoffnung hat und ich kann ihm Hoffnung geben weil ich selber Hoffnung habe ja dann ist das was existenzielles, was ganz wichtig ist.
00:37:36: Wenn du so auf die Lebensphase vor dir schaust, manche reden von der dritten Lebensphase.
00:37:44: Also wenn man die Mitte ein bisschen hinter sich gelassen hat, zumindest statistisch ... Hast du sowas wie eine Berufung?
00:37:50: Drei Punkt Null was da vor dir liegt?
00:37:54: Erstens bin ich ja schon eine Weile in drei Punkt null würde ich jetzt mal sagen.
00:37:58: Eine Berufung vielleicht nicht aber so einen... Zusammenfassung von meinem Leben und dadurch auch von dem, was ich für Erfahrungen gemacht habe.
00:38:13: Dadurch auch von den Dingen die mir wichtig sind, die ich als wichtig empfinde, die vielleicht auch durch eine gewisse Altersruhe ruhiger und gelassener nehmen kann... Und das habe ich mir vorgenommen, dass sich das gar nicht anderen Menschen weitergeben würde.
00:38:32: Weil ich glaube es ist ein ganz wichtiger Schatz.
00:38:35: irgendwie zum Beispiel was ganz viele alte Menschen ja auch sagen wenn sie so kurz vorm Tod sind.
00:38:42: Sie machen sich Gedanken was sie alles nicht gemacht haben.
00:38:46: Nicht, was Sie alles gemacht haben und ich glaube das ist ganz ganz wichtig so etwas auch weiterzugeben.
00:38:52: gerade wenn jemand ständig arbeitet, ständig in einem Trubel ist oder ständig alles infrage stellt einfach mal zu sagen es geht gar nicht darum was alles passiert ist sondern was man nicht getan hat sprich was man vielleicht hätte machen sollen Urlaub oder Was weiß ich sich mehr um die Kinder kümmern?
00:39:12: Oder mehr mit den Enkeln Das können ja auch Kleinigkeiten sein.
00:39:15: Das wertvolle im Leben?
00:39:16: Ja, genau!
00:39:17: Anders zu beurteilen.
00:39:20: Lisa zum Schluss dieses Gesprächs in dem du ja gerade solche Impulse gibst auch Dinge wertzuschätzen von deiner Erfahrung her.
00:39:28: Ich würde dir gerne drei Satzanfänge noch nennen und bitte dich die zu vollenden.
00:39:33: Und das kann auch so ein bisschen abschließen.
00:39:37: Einsatz.
00:39:37: wenn ich auf meinen bisherigen Weg zurückschaue bin ich besonders dankbar dafür dass
00:39:44: dass ich Kinder bekommen habe.
00:39:46: Auch wenn das erste, wie gesagt mit siebzehn unterwegs war...
00:39:50: Kinder sind geschenkte Menschen und ganz wertvoll!
00:39:53: Wenn eine Patientin mit schwerer Diagnose zu mir kommt soll sie vor allem erleben,
00:40:00: dass es in der Regel eine Hoffnung gibt aber auch, dass sie nicht allein gelassen wird in ihrer Situation?
00:40:08: Wenn ich einen Leitsatz für mein Leben schreiben müsste würde zumindest folgende Worte darin auftauchen
00:40:14: Ich sag das jetzt mal salopp, weil's hierher passt die Hoffnung stirbt zuletzt.
00:40:20: Okay dann lass uns das mal so stehen und es passt ja nicht nur so hierher sondern es ist auch schon ein Teil deines Lebens.
00:40:26: Danke Lisa dass du gekommen bist Und für das Teilen Deiner Hoffnung und auch über Angst zu reden.
00:40:32: ich wünsche dir alles Gute, Gottes Segen und eine Hoffnung die dich trägt.
00:40:36: Vielen Dank
00:40:37: Das wünschte ich euch auch dass ihr eine Hoffnung im Herzen habt, die euch erfüllt.
00:40:41: Die euch weitergehen lässt – immer ein Stück Himmel im Herden und damit viel Freude beim Weltverändern!